Als die Müritz wieder klang wie vor 100 Jahren
Müritz Klassik Regatta lockt historische Holzboote aus Deutschland und Österreich nach Waren
Wenn sich frisch lackiertes Mahagoni im Wasser spiegelt, Messingbeschläge in der Sonne glänzen und Segler mit leuchtenden Augen über Restaurierung, Bootsbau aus vergangener Zeit und Segelerfahrung fachsimpeln, dann ist wieder Müritz Klassik in Waren (Müritz). Am 20. und 21. Juni verwandelte sich der Hafen des Warener Seglervereins erneut in einen Treffpunkt für Liebhaber traditioneller Holzboote. Insgesamt 14 Boote gingen bei der diesjährigen 6. Auflage an den Start – und brachten nicht nur sportlichen Ehrgeiz, sondern vor allem jede Menge Geschichte mit an die Müritz. Zugelassen sind bei der Regatta ausschließlich traditionelle Holzboote bis Baujahr 1975, sowie originalgetreue Nachbauten. Jedes Boot erzählt dabei seine eigene Geschichte: von aufwendigen Restaurierungen in unzähligen Arbeitsstunden, von Familienbesitz über Generationen hinweg oder von der Leidenschaft, historische Segelkultur lebendig zu halten.
Nachdem viele Segelkameraden bereits in der Woche davor anreisten um das Segelrevier zu testen, begann der Samstag entspannt mit einem gemeinsamen Frühstücksbüfett. Während im Hafen noch letzte Vorbereitungen liefen und weitere Boote registriert wurden, füllten sich die Stege mit neugierigen Blicken. Pünktlich um 12 Uhr startete dann die erste Wettfahrt. Das Wetter zeigte sich von seiner sommerlichen Seite. Temperaturen von bis zu 29 Grad sorgten für echtes Sommer- und Regattafeeling. Allerdings hatte der Wind an diesem Wochenende seinen eigenen Kopf. Er blieb meist eher zurückhaltend und machte es den Seglern nicht immer leicht. Dazu gesellte sich eine leichte Gewitterneigung, die jedoch ohne größere Auswirkungen blieb.
Doch wer glaubt, bei der Müritz Klassik gehe es ausschließlich um Platzierungen, der verpasst den eigentlichen Kern der Veranstaltung. Viele Teilnehmer waren mit Wohnmobilen oder Zelten angereist und verbrachten das gesamte Wochenende auf dem Vereinsgelände. So entstand genau das, was diese Regatta seit Jahren auszeichnet: eine besondere Gemeinschaft. Abends wurde auf den Stegen und am Hafen bis spät geklönt, gefachsimpelt und gelacht. Die Teilnehmer kamen dabei aus ganz unterschiedlichen Regionen – von Lübeck und Hamburg über Neuruppin bis hin zum österreichischen Mondsee. Mit dabei waren unter anderem der Lübecker Yacht-Club e.V., der Barther Seglerverein e.V. , der Segel-Verein Altona-Oevelgönne e.V., der Segelclub Alster e.V., die Regatta-Segler Neuruppin e.V., der Arendsee’r Regattaverein 08 e.V., der UYC Mondsee sowie Segelfreunde aus dem Müritz-Segel-Verein Rechlin. Ein kleines, aber wichtiges Detail sorgte zusätzlich für Zusammenhalt: Jeder Teilnehmer erhielt wieder eines der inzwischen traditionellen Regatta-T-Shirts. Schnell entstand das Gefühl, Teil einer großen Crew zu sein – unabhängig davon, aus welchem Verein man kam.
Am Sonntag startete der Tag erneut mit einem gemeinsamen Frühstück, bevor die geplante Langstreckenregatta auf dem Programm stand. Aufgrund des schwachen Windes musste die Strecke jedoch angepasst werden. Segeln lässt sich schließlich nicht erzwingen – und genau das macht den Sport seit jeher aus. Spannend blieb es dennoch bis zum Schluss. In der Klasse der Holzboot-Jollen setzte sich Manfred Jacob vom Segel-Verein Altona-Oevelgönne e.V. mit seiner J-Jolle knapp durch. Reinhard Carli vom österreichischen Mondsee folgte mit seiner Z-Rennjolle dicht dahinter auf Platz zwei. Den dritten Rang sicherte sich Eckard Scheufler aus Lübeck mit seinem 12‘ Dinghy. Bei den Jollenkreuzern konnte der Warener Seglerverein e.V. gleich doppelt jubeln. Wilfried Ahrend und Crew segelten auf Platz eins, gefolgt von Tobias Lux und Crew auf Rang zwei. Den dritten Platz belegte Jörg Frommann von den Regatta-Seglern Neuruppin e.V. mit seinem traditionsreichen Boot „Opa Konrad“. In der Kielbootklasse war Jan Kleinschmidt mit seinem Folkeboot als Einzelstarter unterwegs und gewann damit seine Wertung.
Für viele Besucher waren die Ergebnisse am Ende jedoch fast zweitrangig. Viel beeindruckender war der Anblick der historischen Boote selbst. Liebevoll gepflegt und oft aufwendig restauriert, zogen sie zahlreiche Fotografen und Schaulustige an Land und auf dem Wasser an.
Einer der schönsten Momente des Wochenendes entstand sogar völlig ungeplant. Am Samstagabend wurden spontan die tagsüber entstandenen Fotos per Beamer gezeigt. Was zunächst nur als kleine Bilderschau gedacht war, entwickelte sich schnell zu einem besonderen Erlebnis. Die Segler erzählten die Geschichten ihrer Boote, berichteten von Erlebnissen und der oft jahrelangen Arbeit, die hinter den schwimmenden Schmuckstücken steckt. Dieser Moment verdeutlichte, worum es bei der Müritz Klassik Regatta eigentlich geht: nicht um Sekunden oder Pokale, sondern um Menschen, Geschichten und die Leidenschaft für Boote, die noch immer so über die Müritz gleiten wie einst vor vielen Jahrzehnten.
Und genau deshalb ist die Müritz Klassik inzwischen weit mehr als nur eine Regatta – sie ist ein Stück lebendige Segelgeschichte.
Artikel und Fotos von: Inga Bauch, Warener Seglerverein e.V., Presse- u. Öffentlichkeitsarbeit





